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Weitere Infos zur Sanierung der Albtalstrasse

www.landkreis-waldshut.de/aktuelles/sanierung-der-albtalstrasse-l-154

Stillstand im Albtal seit sechs Jahren –
eine Chronologie der Trägheit

Die Albtalstraße ist nach Steinschlag seit Pfingsten 2015 gesperrt. Viel Politikerbesuch, doch nichts hat sich getan. Die Straße bleibt bis auf Weiteres dicht. Nur die Sperrgitter werden immer höher und mittlerweile gefährlich mit Eisen-Dornen bestückt.

Bürgermeister Carsten Quednow, Ulrich Winkler, Herbert Nägele, Roland Lauber und Stephan Marder, von links,
brachten am Freitag ein neues Transparent bei Hohenfels an. | Bild: Peter Schütz

Viele haben die gesperrte Albtalstraße schon besichtigt, Minister, Staatssekretäre, Regierungspräsidenten – doch was ist geschehen? Nicht viel. Viel mehr als warme Worte haben sie kaum dagelassen. Die Bürgerinitiative „Salpetererbewegung Pro Albtalstraße“ bleibt dennoch am Ball: Am Freitag brachte sie auf Albbrucker Gemarkung bei Hohenfels am Straßenrand das gleiche Transparent wie an der Tiefensteiner Brücke an. Damit unterstrich die Initiative um Stephan Marder, Ulrich Winkler, Herbert Nägele und Roland Lauber ihre Forderung nach einer zügigen Wiedereröffnung der Albtalstraße. Lauber und Nägele übermalten in Tiefenstein auf einem Schild die Zahl 5 mit einer 6. Denn an Pfingsten vor sechs Jahren wurde die Straße dichtgemacht. Bei Hohenfels anwesend war Görwihls Bürgermeister Carsten Quednow, auch er ein Befürworter der Wiedereröffnung.

Die Straße bleibt dicht und wird zugebaut wie die frühere Zonengrenze - damit auch ja keiner zu Fuß durchkommt. Wer es dennoch wagt und hier abrutscht, riskiert schwere Verletzungen. Dann würde sofort die Frage nach dem Verantwortlichen laut. |  Bild: Peter Schütz

Die Bürgerinitiative pocht aus mehreren Gründen auf eine zügige Wiedereröffnung. Denn die großräumige Umleitung führt unter anderem durch die Ortschaft Buch an Schule und Kindergarten vorbei. Das höheres Verkehrsaufkommen bedeute eine größere Gefährdung. Zudem wies Stephan Marder am Freitag darauf hin, dass vier der fünf Tunnel der Albtalstraße „für Unsummen“ saniert worden seien – „und dann macht man das Albtal zu“.

Weitere Argumente kamen von Herbert Nägele: Die Region werde mit der Albtalstraße touristisch beworben. Hinzu komme, dass die Straße mit Blick aufs neue Zentralkrankenhaus Albbruck eine wichtige Verbindung sein werde. Stephan Marders Fazit: „Es gibt hundert Argumente für eine Wiedereröffnung.“ Herbert Nägele erinnerte an die Aussage von Landesverkehrsminister Winfried Herrmann bei dessen Besuch im August 2017: „Mein Ziel ist, dass wir die Albtalstraße wieder aufmachen können“, habe Herrmann damals gesagt – allerdings eine Zusage ohne zeitliche Angabe. Wovor Stephan Marder warnte: „Was mit der Albtalstraße geschehen ist, könnte sich auch anderswo wiederholen.“

Landesverkehrsminister Winfried Hermann (links) beim Besuch der Albtalstraße im August 2017. 
Ein freundliches Winken. Doch die Straße ist weiter dicht. |  Bild: Peter Schütz

Bürgermeister Carsten Quednow versprach: „Ich kämpfe für eine Gleichbehandlung mit dem Wehra- und Schlüchttal.“ Er berichtete zudem, dass die Unterlagen für das Genehmigungsverfahren der Arbeiten im Albtal im kommenden Monat dem Kreistag vorgestellt werden. Danach soll im Juli der Antrag beim Regierungspräsidium Freiburg eingereicht werden. Sobald die Genehmigung rechtskräftig ist, könne begonnen werden. Der Beginn der Bauausführung mit umfangreichen Felssicherungsmaßnahmen ist laut Landratsamt Waldshut für die Jahre 2023/2024 geplant – also frühestens in zwei Jahren.

Carsten Quednow sagte am Freitag über den vorgesehenen Aufwand: „Unser Anliegen ist, dass nicht alle 150 geplanten Einzelmaßnahmen umgesetzt werden müssen, um die Albtalstraße wieder befahrbar zu machen.“ Quednow plädierte für eine „gesunde Mitte“. Die Verhältnismäßigkeit der geplanten Maßnahmen stellt Quednow auch mit Blick auf den gegenüberliegenden Tiefensteiner Granitsteinbruch in Frage: „Hier kümmert man sich um Fledermäuse und Moose, und drüben im Steinbruch wird alles weggesprengt.“

Der Nächste bitte:  Ministerialdirektor Uwe Lahl besichtigte die Albtalstraße 2018 und bestaunt den Felsen.
Die Straße bleibt weiter zu. | Bild: Peter Schütz

Übrigens: Der Durchgang der Albtalstraße wird seit einem Jahr mit massiven Verbauten verhindert. Auf Höhe Hohenfels befindet sich ein Zaun mit messerscharfen Klingen – „unverhältnismäßig und gefährlich“, so die „Salpetererbewegung Pro Albtalstraße“.

Herbert Nägele (links) und Roland Lauber übermalten am Freitag an der Tiefensteiner Brücke die Zahl 5 mit einer 6.
Die Albtalstraße ist seit 26. Mai 2015 gesperrt. Wie oft sie die Zahl wohl erneuern werden? Wenn´s zweistellig wird müssen sie die Zahl kleiner machen.
Bild: Peter Schütz

Chronologie des Stillstandes

Am Dienstag nach Pfingsten, 26. Mai 2015, informierte das Regierungspräsidium Freiburg, dass die L 154 (eine Landesstraße) zwischen Hohenfels und Tiefenstein ab sofort aus Gründen der Verkehrssicherheit gesperrt wird. Bereits zwei Jahre davor hatte sich ein Felssturz ereignet. 2016 tauchte ein geologisches Gutachten auf, indem nach einer „Vorabschätzung“ die Strecke bis zu einer weiteren Begutachtung gesperrt bleiben muss. Tenor: „Es können derzeit keine konkreten Sicherungsmaßnahmen vorgeschlagen werden, da jedwede halbwegs gesicherte Planungsgrundlage fehlt.“ Das Gutachten listete für den 2,6 Kilometer langen Bereich 33 Gefahrenstellen auf, davon fünf mit „sehr hohe Gefährdung“. Im März 2017 besuchte Regierungspräsidentin Bärbel Schäfer das Albtal, im August 2017 folgte ihr Landesverkehrsminister Winfried Herrmann (Grüne). Ende 2017 erhielt Herrmann rund 11.000 Unterschriften gegen die Sperrung der Straße. Im August 2018 war Uwe Lahl, Ministerialdirektor im Verkehrsministerium, zu Besuch. Danach formierte sich die Bürgerinitiative „Salpetererbewegung Pro Albtalstraße“. Es gab mehrere Proteste gegen die Sperrung der Straße. 2018 entschied das Verkehrsministerium, die Böschungs- und Hangsicherung sowie die Deckenerneuerung zu planen und auszuführen. Die Zuständigkeit wird dem Landratsamt Waldshut übertragen. Durch den Umfang der Maßnahmen wird ein Planfeststellungsverfahren (großes Genehmigungsverfahren) notwendig. Kosten belaufen sich laut Landratsamt auf „mehrere Millionen Euro“. Aktuellen Stand der Albtalstraße: www.landkreis-waldshut.de/aktuelles/sanierung-der-albtalstrasse-l-154

Bild: Bild: Peter Schütz
Beitrag von Peter Schütz für den Südkurier am 16. Mai 2021

Wie es früher einmal war: 
Alte Postkarte enthüllt einen idyllischen Blick auf die Albtalstraße

Eine alte, kolorierte Postkarte, die etwa aus dem Jahr 1910 stammt, zeigt die „guten alten Zeiten“ im Albtal – als nämlich noch Fahrzeuge, und wenn es nur eine Kutsche war, über die Straße fuhren konnten. Denn mittlerweile jährt sich die Sperrung der Straße schon zum sechsten Mal.

An Pfingsten jährt sich die Sperrung der Albtalstraße zwischen Tiefenstein und Hohenfels zum sechsten Mal. Ab Mai 2015 war Schluss mit lustig im Albtal, nachdem ein Stück Fels auf die Straße gerutscht war. Seither hat sich viel getan, auch wenn – mit Ausnahme der imposanten Absperrungen – nichts davon zu sehen ist.

Obwohl: Am 27. November 2020 fiel der Startschuss für die neue Online-Plattform zur Sanierung der Albtalstraße. Dort erfährt die geneigte Leserschaft, dass „mit dem Abschluss der umfangreichen Kartierungen und der Vorlage sämtlicher hierauf beruhender Berichte und Gutachten“ im Frühjahr 2021 gerechnet wird.

Das wäre eigentlich jetzt. Und so soll es weitergehen: Start des Planfeststellungsverfahrens, Bauvorbereitung, Bauausführung. Letztere ist für 2023/24 geplant.

Aber Obacht: Die zeitliche Dauer wird von verschiedenen Faktoren wie Witterung, Belange des Naturschutzes sowie Kapazität der Fachfirmen beeinflusst. Noch ist also nichts in trockenen Tüchern, sind Geduld und Zuversicht nötig.

Für alle, die sich darüber grämen, gibt es hier eine handliche Aufheiterung. Sie entstammt der Sammlung von Egon Gerteis aus Laufenburg. Als er 2013 seine Postkarten im Heimatmuseum Görwihl zeigte, stach ein Motiv besonders hervor: eine von vier Pferden gezogene Kutsche mit drei Personen vor dem zweiten Straßentunnel im Albtal.

Bild: Bild: Peter Schütz
Beitrag von Peter Schütz für den Südkurier am 17. April 2021

BRIEF AN HERRN KRETSCHMANN

Folgende Worte wurden am 03. Mai 2020 an Herrn Kretschmann gerichtet:

"Sehr geehrter Herr Ministerpräsident Kretschmann, 

obwohl Sie im Moment sicher andere Sorgen haben, möchten wir uns trotzdem in einem Anliegen, 
das uns schon seit mehreren Jahren beschäftigt, direkt an Sie wenden. 

Im Mai 2015 wurde die Albtalstraße im Kreis Waldshut zwischen Albbruck und Tiefenstein gesperrt, weil ein Fels aus ca. 4 m Höhe an einem Schräghang abgerutscht und am Rande der Straße im Straßengraben hängengeblieben ist. Man hätte diesen Stein mit einer Bake markieren und leicht umfahren bzw. schnell entfernen können, denn er ragte nur wenige Zentimeter in die Fahrbahn hinein. Stattdessen sperrte man die Straße und ordnete umfangreiche geologische und umweltverträgliche Untersuchungen (Natura 2000-Gebiet, wobei die Straße selbst nicht dazugehört) an, die sich nun seit 5 Jahren!! hinziehen, 
 immer mit dem Hinweis, man müsse eine vollständige Jahresvegetationsperiode untersuchen: dies hätte man jetzt schon 5 Jahre lang machen können. 

Beim Scoping-Termin am 25. Juli 2019 im Kreistag Waldshut, an dem alle Zuhörer darauf warteten, wann die Straße endlich geöffnet würde, wurde von einem Mitarbeiter des Landratsamts noch darauf hingewiesen, daß man die „Spanische Fahne“, ein Schmetterling, noch nicht untersucht habe. Verstehen Sie, daß einem hierbei fast der sprichwörtliche „Kragen platzt“? Diese Straße führt mit 5 Tunnels durch das wildromantische Albtal und weist als Verbindungsstraße vom Hochrhein in den Hotzenwald nur eine geringe Steigung auf, was besonders im Winter wegen oft querstehender LKW `s auf den anderen Straßen von Vorteil ist. Außerdem stellt sie, auch für Schweizer, eine Touristenattraktion erster Güte dar.

Nach wiederholten Protestaktionen der Bevölkerung der Gemeinden Albbruck, Görwihl, Dachsberg und St. Blasien samt Bürgermeistern, haben Bundestagsabgeordnete (Felix Schreiner CDU, Rita Schwarzelühr- Suter SPD, sowie Landrat Dr. Kistler (Waldshut) und schließlich Regierungspräsidentin 
Bärbel Schäfer zugesagt, daß sie sich für die Wiedereröffnung der Straße einsetzen wollen. 

Im Jahre 2017 wurde von den Bürgermeistern von Görwihl und Albbruck in Stuttgart beim Verkehrsministerium eine Liste mit fast 11.000 Unterschriften überreicht. Bei einer Vor-Ort- Begehung von Verkehrsminister Hermann und Ministerialdirektor Lahl wurde zugesagt, daß man die Straße wiedereröffnen wolle und daß die Mittel für eine Sicherung der Straße vom Land zur Verfügung gestellt würden. 

Nachdem nun 5 Jahre vergangen sind, und man ein Gutachten nach dem anderen durchführt (was ja alles Geld kostet) und wir auf weitere Jahre vertröstet werden, ist der Unmut in der Bevölkerung immer mehr angewachsen , zumal jetzt bei der Sanierung einer Brücke über die Eisenbahn in Albbruck auch noch die bisherige Umgehungsstraße gesperrt werden soll! Nun will man die Albtalstraße von Albbruck bis zum gesperrten Abschnitt benutzen und ab dort eine Umleitung mitten durch die kleine Gemeinde Buch, vorbei an Kindergarten und Schule, einrichten. Gegen diese Umleitung haben die Bewohner von Buch bereits protestiert, da sie eine erhebliche Gefährdung der Kinder darstellt. Wie einfach wäre es , wenn man, wie seit bereits 160 Jahren schon immer, zunächst eine „Felsputzete“ durchführen, mit den die nötigsten Sicherungsmaßnahmen nach und nach beginnen und die Straße endlich freigeben würde? 

Warum hat man in Todtnau-Geschwend (ebenfalls FFH – Gebiet) einen Felsabgang in kürzester Zeit entfernt? Im Albtal fielen innerhalb dieser 5 Jahre nur kleinere, schotterartige Steine auf die Straße, während die viel gefährlicheren Felsabgänge im Wehra-, Steina – und Schlüchttal immer recht schnell beseitigt wurden. Gibt es dort keine Flora und Fauna? Inzwischen haben frustrierte unbekannte Bürger den Fels beseitigt. Wir fühlen uns den Behörden gegenüber ohnmächtig, weil die Verantwortung immer auf weitere Gutachter verschoben wird. Die Albtalstraße wurde in ihrer Gesamtlänge von 30 km, einschließlich Sprengung der Tunnel mittels Schwarzpulver! (Dynamit gab es noch nicht) von St. Blasien bis nach Albbruck in 4 Jahren gebaut (1855-1869) Gutachten 
bisher 5 Jahre! (2015- ???) 

Bei Ihrem Amtsantritt haben Sie eine „Politik des Gehörtwerdens“ versprochen; wir würden uns freuen, wenn unser Anliegen ernst genommen würde, die Straße bald eröffnet und so die Umleitung über Buch vermieden würde. Eine Wiedereröffnung brächte für Hilfsorganisationen wie Feuerwehr, DRK , THW und Bergwacht eine deutliche Verkürzung der Rettungswege mit sich. Für eine kurze Rückmeldung wären wir Ihnen dankbar. 

Wir wünschen Ihnen gesundheitlich alles Gute und hoffen auf Ihre Unterstützung. 

Mit freundlichen Grüßen Dr. Roland Lauber, Herbert Nägele (Görwihl) Stephan Marder, Ulrich Winkler (Albbruck) 
Marktplatz 1, 79733 Görwihl